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Echoes of Wisdom im Test: Zeldas eigene Wege

Einfallsreiche Echos, klassische Dungeons und ein Kampf um den richtigen Rhythmus: unser Urteil zu Zeldas Abenteuer.
TestberichtVon Revali

Echoes of Wisdom macht aus einer simplen Frage ein ganzes Zelda-Abenteuer: Was wäre, wenn Du das, was Dir gerade fehlt, einfach herbeirufen könntest? Eine Stufe zum Vorsprung. Einen Fisch für den Kampf unter Wasser. Ein Bett, obwohl vor Dir gerade ein Monster randaliert. Die Antworten sind oft herrlich albern. Und sie passen erstaunlich gut zu einer Reihe, deren schönste Momente schon immer mit einem eigenen Einfall begonnen haben.

Dass diesmal Zelda den Stab in der Hand hält, verändert mehr als die Figur auf dem Bildschirm. Die Prinzessin löst Probleme anders. Wo Link gewöhnlich zuerst das Schwert zieht, sucht sie in ihrer Umgebung nach einer brauchbaren Idee. Daraus entsteht ein eigenständiges Abenteuer, das die überschaubaren Räume der klassischen Spiele mit der Experimentierfreude der neueren Teile verbindet. Ganz reibungslos geht diese Verbindung allerdings nicht auf.

Hyrule braucht diesmal seine Prinzessin

Der Einstieg spielt geschickt mit Bekanntem. Link steht einem großen Gegner gegenüber, Zelda wartet auf ihre Rettung – und kurz darauf ist genau dieser vertraute Ablauf vorbei. Risse verschlucken Menschen und Landstriche, Link verschwindet und die Prinzessin muss selbst losziehen. Begleitet wird sie von Tri, einem kleinen gelben Wesen, das ihr die Kraft für die namensgebenden Echos gibt.

Die Geschichte funktioniert vor allem dort, wo sie zeigt, was diese Katastrophe für einzelne Bewohner bedeutet. Menschen vermissen Angehörige, vertraute Orte sind plötzlich unzugänglich, und zwischen zwei großen Aufgaben bleibt Platz für eine kleine Begegnung am Weg. Zelda kommt ihrem Königreich dadurch näher, als sie es vom Schloss aus je könnte. Den ganz großen erzählerischen Überraschungen läuft das Spiel dagegen nicht ständig hinterher. Die Suche nach den Ursachen der Risse liefert einen guten Anlass für die Reise, trägt aber nicht jede längere Erklärung gleich stark.

Hyrule wirkt vertraut, ohne eine bloß nachgestellte Landkarte zu sein. Wüste, Wasserlandschaften, Wälder und Berge unterscheiden sich deutlich. Die knuffigen Figuren und glänzenden Oberflächen erinnern an Link’s Awakening für Switch. Hinter diesem niedlichen Aussehen steckt jedoch ein anderes Verständnis von Grenzen: Eine Baumreihe muss hier nicht das Ende Deines Weges bedeuten.

Der schönste Fund ist eine neue Möglichkeit

Mit dem Tri-Stab lernst Du die Nachbildungen bestimmter Gegenstände und besiegter Monster. Danach stehen sie Dir immer wieder zur Verfügung. Du musst weder Holz für jedes Bett sammeln noch jedes beschworene Monster mit einem Verbrauchsgegenstand bezahlen. Begrenzt ist stattdessen die Kraft von Tri. Die Dreiecke an Deinem Begleiter bestimmen, welche und wie viele Echos gleichzeitig bestehen bleiben können.

Das ist eine gute Grundlage für Rätsel. Eine Lücke lässt sich mit einer Kiste vorbereiten, mit Betten überbrücken oder später mit ganz anderen Hilfsmitteln überwinden. Der entscheidende Fortschritt steckt oft im Verständnis: Du hast dasselbe Echo bereits eine Weile im Gepäck, erkennst aber erst jetzt, dass seine Eigenschaft auch für dieses Hindernis taugt. Diese Momente sind reizvoller als die bloße Freude über einen neuen Eintrag im Menü.

Dazu kommt Einklang. Zelda kann ein Objekt an ihre Bewegungen binden oder sich umgekehrt von dessen Bewegung mitnehmen lassen. Zusammen mit den Echos entstehen daraus kleine Versuche mit Höhe, Gewicht und Position. Wasserblöcke sind dabei besonders vielseitig, weil sie einen Weg nicht nur verlängern, sondern eine andere Form der Fortbewegung ermöglichen. Das Spiel darf klein aussehen; bei solchen Ideen denkt es erfreulich groß.

Allerdings entsteht aus der Freiheit nicht automatisch das bessere Rätsel. Wenn eine bewährte Konstruktion gleich mehrere Hindernisse überspringt, kann das befriedigend sein. Es kann aber auch einen sorgfältig angelegten Abschnitt nebensächlich machen. Echoes of Wisdom lässt Dich damit weitgehend selbst umgehen. Wer gern experimentiert, findet ständig neue Ansätze. Wer auf den einen präzisen Aha-Moment eines klassischen Dungeon-Raums wartet, wird gelegentlich eine zu bequeme Abkürzung entdecken.

Dungeons mit Schlüsseln und Spielraum

Die großen Dungeons geben dem Abenteuer einen angenehmen Rhythmus. Du arbeitest Dich durch zusammenhängende Räume, findest Schlüssel, öffnest neue Wege und bereitest Dich auf einen Boss vor. Das ist wieder näher an den älteren Zelda-Spielen als die verteilten Prüfungen der offenen Hyrule-Abenteuer. Gut tut dabei, dass die Echos auch innerhalb dieser festen Struktur ihre Freiheit behalten.

Ein neues Echo kann sich wie das entscheidende Dungeon-Werkzeug anfühlen, ohne anschließend der einzige gültige Schlüssel für jeden Raum zu sein. Seitliche Abschnitte verändern den Blick auf dieselben Objekte; Plattformen und Höhen verlangen andere Überlegungen als ein Kampf auf freier Fläche. Die Aufgaben bleiben überwiegend zugänglich. Anspruch entsteht häufiger durch das Ausprobieren einer eigenen Variante als durch lange Phasen des völligen Rätselstillstands.

Die Welt des Nichts gibt den Rissen einen passenden Gegenentwurf zum lebendigen Hyrule. Landschaftsteile hängen versetzt im Raum, Bewohner sind erstarrt und vertraute Wege verlieren ihren Zusammenhang. Das ist ein starkes Bild für die Bedrohung. Auf Dauer ähneln sich manche der kleineren Rettungsaufgaben darin allerdings stärker, als es ihre unterschiedlichen Umgebungen zunächst erwarten lassen.

Im Kampf fehlt manchmal der direkte Zugriff

Monster als Verbündete einzusetzen, ist eine der besten Ideen des Spiels. Ein Gegner, den Du eben noch vorsichtig umkreist hast, erweitert im nächsten Moment Deine eigenen Möglichkeiten. Reichweite, Element und Bewegungsverhalten werden wichtiger als die bloße Frage, welches Monster am meisten Schaden verursacht. Einklang kann zusätzlich helfen, einen Gegner in eine günstige Position zu bringen.

Die Umsetzung erreicht aber nicht in jeder Begegnung die gleiche Verlässlichkeit. Anvisieren hilft beim Lenken der Echos, ersetzt jedoch kein präzises Befehlssystem. Ein Helfer braucht mitunter zu lange für seinen Angriff oder beschäftigt sich mit dem falschen Ziel. Dann wird aus einem guten Plan eine Wartephase, während Zelda selbst nur ausweicht und neu beschwört. Gerade kleine Standardkämpfe dürften entschlossener auf Deine Eingaben reagieren.

Die zeitlich begrenzte Schwertkämpferinnen-Form schafft einen direkten Ausweg. Sie gibt Dir für einen Energievorrat die vertrauteren Angriffsmöglichkeiten zurück. Als Ergänzung ist das sinnvoll und sorgt bei Bossen für Tempo. Zugleich zeigt sich hier ein Zwiespalt: Das neue System ist spannend genug, um ein ganzes Spiel zu tragen, bekommt aber immer wieder die Möglichkeit zur Seite gestellt, doch auf die vertraute Art weiterzukämpfen. Nicht jeder Kampf nutzt die Eigenheiten der Prinzessin so überzeugend wie die besten Rätsel.

Viele Entdeckungen, nicht jede Belohnung zählt gleich viel

Abseits der Hauptaufgaben wartet genug, um regelmäßig vom Weg abzuweichen. Herzteile und Kristalle der Stärke haben einen spürbaren Nutzen. Stempel, Zubehör und kleine Bewohneraufgaben geben der Erkundung zusätzliche Ziele. Smoothies verbinden gesammelte Zutaten mit hilfreichen Effekten und passen gut zum Gedanken, sich auf eine Situation vorzubereiten.

Weniger glücklich ist das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag bei manchen Truhen und Nebenaufgaben. Für eine gut versteckte Belohnung wünscht man sich etwas, das neugierig macht oder die Möglichkeiten erweitert. Weitere Zutaten erfüllen diesen Wunsch nicht jedes Mal. Auch die späteren Automaten müssen sich gegen einen bereits gut gefüllten Echo-Vorrat behaupten und bekommen dadurch weniger Aufmerksamkeit, als ihr eigener Aufwand vermuten lässt.

Hilfen sollten dem Spiel diese Entdeckungen möglichst nicht vorwegnehmen. Wenn Du gezielt festhängst oder einen Fund nachholen möchtest, kannst Du in unserer Komplettlösung zu Echoes of Wisdom direkt das passende Kapitel oder Sammelthema auswählen. Für den ersten Weg durch eine neue Gegend lohnt es sich aber, den eigenen Einfällen etwas Zeit zu geben.

Ein schönes Hyrule mit einer wichtigen Update-Korrektur

Die Gestaltung lebt von deutlichen Formen, liebevollen Animationen und gut unterscheidbaren Regionen. Noch stärker trägt die Musik: Sie gibt der Reise Schwung, greift bekannte Motive auf und lässt Zelda trotzdem eine eigene Klangwelt. Gerade bei einem Abenteuer, das zwischen Vertrautem und Neuem vermittelt, ist das mehr als nur nette Begleitung.

Auf der ursprünglichen Switch gehört die ungleichmäßige Bildrate zu den Schwächen der Veröffentlichung. Deshalb sollte man die hübsche Gestaltung nicht mit einer durchgehend ruhigen technischen Darstellung gleichsetzen. Die späteren Verbesserungen auf Nintendo Switch 2 betreffen wiederum eine andere Hardware-Situation und sind keine Messung der ursprünglichen Switch-Fassung.

Eine häufig genannte Schwäche der ersten Version ist inzwischen zumindest gezielt angegangen worden: Seit Update 1.1.0 lassen sich nach dem Erlernen von mindestens 30 Echos Favoriten für eine gefilterte Auswahl festlegen. Das lange Suchen im immer größeren Vorrat wird damit entschärft. Die grundsätzliche Unterbrechung durch die Auswahl verschwindet nicht, diese Erleichterung gehört inzwischen aber ausdrücklich zu einer heutigen Bewertung.

Fazit: Zelda darf gern wieder selbst losziehen

Echoes of Wisdom ist ein einfallsreiches Zelda mit einem ausgesprochen sympathischen eigenen Spielgefühl. Es macht Freude, seine Gegenstände neu zu verstehen, Grenzen auszuprobieren und innerhalb richtiger Dungeons trotzdem den eigenen Weg zu finden. Dass die Prinzessin anders handelt als Link, ist dabei der Kern des Abenteuers und nicht bloß eine Änderung der Besetzung.

Die schwankende Qualität der Kämpfe, einige wenig spannende Belohnungen und die stellenweise sehr bequemen Rätsellösungen verhindern für uns den Sprung ganz an die Spitze der Reihe. Trotzdem bleibt viel, das dieses Hyrule besonders macht. Wenn Du klassische Dungeons magst und gern tüftelst, bekommst Du ein schönes Abenteuer, das sich auch neben den riesigen offenen Welten behaupten kann. Die nächste Reise mit Zelda dürfte dieses Mal ruhig weniger lange auf sich warten lassen.

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