Breath of the Wild macht schon einen vermeintlichen Umweg zum Abenteuer. Ein Turm steht am Horizont, doch der direkte Weg führt durch ein Monsterlager. Links davon steigt eine Felswand auf. Vielleicht reicht die Ausdauer bis oben, vielleicht gibt es unterwegs eine Stelle zum Ausruhen. Auf dem Gipfel liegt dann plötzlich etwas viel Interessanteres als der ursprüngliche Plan. Genau aus solchen Entscheidungen gewinnt dieses Zelda seine Größe.
Unser Test behandelt Breath of the Wild für Nintendo Switch, das 2017 zusammen mit der Konsole erschien. Die spätere Nintendo Switch 2 Edition verbessert die Darstellung und Leistung und ergänzt ZELDA NOTES. Das eigentliche Abenteuer mit seinen Stärken und Schwächen beginnt aber schon in der ursprünglichen Fassung.
Hyrule braucht Dich, lässt Dich aber erst einmal allein
Link erwacht nach hundert Jahren ohne Erinnerung. Hyrule hat die Katastrophe längst hinter sich und lebt mit ihren Folgen. Zwischen bewohnten Dörfern liegen Ruinen, überwachsene Wege und die Überreste der Maschinen, die das Königreich schützen sollten. Über Schloss Hyrule kreist weiterhin die Verheerung. Das Ziel ist sichtbar, lange bevor Du auch nur annähernd dafür gerüstet bist.
Das vergessene Plateau führt Dich in dieses Leben ein. Vier Schreine vermitteln die grundlegenden Module des Shiekah-Steins. Gleichzeitig lernst Du durch die Umgebung, warum ein warmer Mantel, etwas Gekochtes und eine brauchbare Waffe mehr wert sein können als der kürzeste Weg. Die Einführung lässt Raum für Versuche und Fehler. Sie erklärt genug, um weiterzukommen, ohne jeden Schritt vorzuschreiben.
Mit dem Parasegel öffnet sich danach das große Hyrule. Du kannst den Hinweisen nach Kakariko folgen, einen anderen Weg einschlagen oder Dich viel zu früh an Schloss Hyrule wagen. Das Spiel hält Dich kaum mit verschlossenen Toren auf. Die Grenze ist eher die Frage, was Du Dir mit Deiner Ausrüstung und Deinem Wissen zutraust. Dieses Vertrauen in den Spieler bleibt eine seiner größten Qualitäten.
Klettern verändert die ganze Welt
Dass Link fast jede geeignete Felswand erklimmen kann, klingt zunächst nach einer zusätzlichen Bewegung. Tatsächlich verändert es, wie Du Landschaften liest. Ein Berg ist ein möglicher Aussichtspunkt. Eine Schlucht muss kein Ende des Weges sein. Mit genügend Höhe wird das Parasegel zum Mittel, ganze Abschnitte zu überspringen oder einen schwer erreichbaren Vorsprung anzusteuern.
Die Ausdauer macht diese Freiheit interessant. Du suchst Absätze, schätzt Strecken ein und entscheidest, ob Du ein Risiko eingehst oder einen weiteren Schrein für eine Verbesserung suchst. Selbst ein gewöhnlicher Aufstieg kann eine kleine Aufgabe werden. Eine erfolgreiche Route gehört dadurch ein Stück weit Dir, auch wenn ein anderer Spieler auf einem ganz anderen Weg am selben Ort ankommt.
Weniger schön ist Regen während einer langen Klettertour. Er passt zu den Regeln dieser Welt, kann einen bereits verstandenen Weg aber unnötig aufhalten. Warten oder umplanen ist nicht in jeder Situation spannend. Breath of the Wild zieht seine Systeme konsequent durch; gelegentlich fordert es dafür Geduld, ohne eine entsprechend gute neue Entscheidung anzubieten.
Die besten Werkzeuge passen zu vielen Problemen
Bomben, Magnetmodul, Stasismodul und Cryomodul bekommst Du früh. Der Reiz liegt danach im Erkennen ihrer Möglichkeiten. Eine Metallplatte kann einen Weg öffnen. Ein kurz angehaltenes Objekt lässt sich mit gespeicherter Kraft bewegen. Eine Eissäule bietet auf einer Wasserfläche einen neuen Standpunkt. Dieselben Werkzeuge tauchen in Rätseln, Erkundung und Kämpfen auf.
Dazu kommen Hitze, Kälte, Feuer und Elektrizität. Ausrüstung und Umgebung reagieren darauf. Ein Gewitter ist mit Metall am Körper eine andere Situation als bei trockener Witterung. Ein Feuer kann neben Schaden auch einen Aufwind erzeugen. Solche Zusammenhänge sind verständlich genug, um eigene Ideen zu entwickeln, und vielseitig genug, damit nicht jeder Versuch gleich ausgeht.
Diese Freiheit hat Grenzen. Nicht jedes Objekt lässt sich bewegen, nicht jeder Einfall wird erkannt. Trotzdem ist der Abstand zu einem Rätsel mit genau einem vorgesehenen Gegenstand groß. Breath of the Wild belohnt immer wieder, dass Du eine Regel verstanden hast und auf eine andere Situation überträgst. Seine Welt wirkt dadurch zusammenhängend, obwohl sie so viele unterschiedliche Aufgaben enthält.
Waffen dürfen verbraucht werden – und das nervt trotzdem
Schwerter, Speere, Bögen und Schilde halten nicht ewig. Das zwingt Dich, neue Beute zu verwenden und Kämpfe mit wechselnden Mitteln anzugehen. Eine gute Waffe ist ein Vorteil für die nächsten Begegnungen, keine endgültige Antwort für den Rest des Abenteuers. Wer Ressourcen sparsam einsetzen möchte, kann Feinde umgehen oder die Umgebung gegen sie nutzen.
Das ergibt als System Sinn. Im einzelnen Moment bleibt ein zerbrochenes Lieblingsschwert dennoch ärgerlich. Besonders zu Beginn trifft die geringe Haltbarkeit auf knappen Inventarplatz. Dann wird aus einer gefundenen Truhe erst einmal eine Entscheidung im Menü: Was wegwerfen, was aufheben, was für einen stärkeren Gegner zurücklegen? Die Spannung zwischen Ersatz und Verlust trägt das Spiel, die vielen Unterbrechungen trägt sie nicht immer.
Auch das Kochen hat beide Seiten. Zutaten zu sammeln und sich auf Schnee, Hitze oder einen gefährlichen Gegner vorzubereiten, bindet die Reise an Hyrule. Viele Gerichte hintereinander zuzubereiten wird dagegen schnell zur Routine. Mit besserer Kleidung und wachsender Erfahrung verliert die Vorbereitung an Aufwand. Die Menüs bleiben ein Bereich, in dem sich das Abenteuer gelegentlich selbst im Weg steht.
Viele gute Rätsel, weniger große Labyrinthe
Die Schreine verteilen kurze Aufgaben über die gesamte Karte. Manche prüfen den Umgang mit einem Modul, andere kombinieren mehrere Ideen oder beginnen schon mit einer Aufgabe vor ihrem Eingang. Sie geben dem Erkunden greifbare Ziele und liefern Zeichen der Bewährung für mehr Herzen oder Ausdauer. Ein entdeckter Schrein ist außerdem ein praktischer Ausgangspunkt für spätere Reisen.
Ihre Kürze funktioniert gerade unterwegs gut. Die ähnliche Gestaltung und wiederkehrende Kampfprüfungen machen die große Zahl mit der Zeit aber spürbar. Nicht jeder Fund überrascht. Manchmal ist der Weg zum Eingang interessanter als der Raum dahinter. Wer alles erledigen möchte, wird neben hervorragenden Aufgaben auch etliche bekannte Abläufe wiederholen.
Die vier Titanen übernehmen die Rolle der großen Dungeons. Ihre beweglichen Teile räumlich zu verstehen und gezielt zu verändern, ist eine starke Idee. Die Vorbereitung auf den Einstieg bringt zudem einige schöne gemeinsame Aktionen mit den Bewohnern Hyrules. Im Inneren sind die Titanen jedoch deutlich kompakter als viele frühere Tempel. Ähnliche Ziele und verwandte Gestaltung nehmen ihnen einen Teil ihrer Eigenständigkeit. Die verzweigten, langen Dungeonfolgen eines Skyward Sword sind hier kein gleichwertig ersetzter Bestandteil.
Die Ruhe ist ein großer Teil des Abenteuers
Breath of the Wild erzählt seine Vergangenheit in Erinnerungen, Gesprächen und Orten. Zeldas Bemühungen und der Druck, unter dem sie stand, geben der Katastrophe ein persönliches Gesicht. Gleichzeitig kannst Du viele dieser Szenen verpassen oder in einer anderen Reihenfolge sehen. Das passt zur freien Reise, macht die erzählte Geschichte aber weniger geschlossen.
Vieles trägt deshalb die Atmosphäre. Wind im Gras, ein Wetterwechsel und zurückhaltende Klaviermotive lassen Platz für die Landschaft. Dörfer und Ställe geben der weiten, oft einsamen Reise regelmäßige Ankunftspunkte. Hyrule ist beschädigt, aber nicht leblos. Gerade diese Mischung aus Verlust und gewöhnlichem Alltag bleibt stärker hängen als manche Erklärung der Haupthandlung.
Die klare Farbgestaltung funktioniert auf Switch weiterhin gut. Die ursprüngliche Fassung hat allerdings sichtbare Grenzen bei Bildschärfe und Flüssigkeit; anspruchsvolle Szenen können die Darstellung ins Stocken bringen. Die Nintendo Switch 2 Edition bietet hier Verbesserungen. Sie sollte bei einer heutigen Kaufentscheidung mitgedacht werden, ohne die technische Leistung der alten Fassung nachträglich schöner darzustellen.
Fazit: Ein Hyrule, das eigene Wege wertvoll macht
Breath of the Wild gehört für uns zu den stärksten Abenteuern der Reihe, weil seine Freiheit im gewöhnlichen Spielen ankommt. Du planst selbst einen Weg, lernst etwas über die Umgebung und nutzt dieses Wissen an einem anderen Ort wieder. Dafür braucht es weder eine große Zwischensequenz noch ständig eine neue Fähigkeit. Oft genügt ein interessanter Hügel.
Die kompakten Titanen, wiederkehrende Schreinaufgaben und der Aufwand rund um Waffen und Menüs sind echte Schwächen. Wer vor allem große klassische Dungeons sucht, sollte sie nicht kleinreden. Wer dagegen ein Zelda zum Entdecken, Ausprobieren und gelegentlichen Verlaufen möchte, findet hier ein außergewöhnlich stimmiges Ganzes. Unsere Komplettlösung zu Breath of the Wild hilft bei Schreinen, Titanen und Fundorten. Den kostenpflichtigen Erweiterungspass betrachten wir als Zusatz; das Urteil hier gilt dem Hauptspiel.

